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Der Ignorant
Ein Trauerspiel in einem Akt
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Personen:
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Dr. Jost, Arzt - kurz genannt "ER"
Ein schwieriger Patient - kurz genannt "ICH" |
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Prolog:
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Ein Mensch, fühlt er sich schlapp und krank,
Hat ja die Ärzte - Gott sei Dank. Er muss, hängt er an seinem Leben, Zu einem solchen sich begeben. Doch, wie das Schicksal es so lenkt: Meist kommt es anders, als man denkt. |
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VORHANG AUF
(ER und ICH im Sprechzimmer) |
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ER:
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Das wär's - Sie sind nicht sehr gesund,
Ich schreibe heut' noch den Befund Und schicke ihn bestimmt schon morgen. Doch machen Sie sich keine Sorgen, Denn mancher hat mit eigner Kraft Die schwerste Krankheit doch geschafft Und mancher, der so krank gewesen, Ist unerwartet doch genesen. |
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ICH
(erschrocken): |
Ich danke sehr, Herr Doktor Jost,
Für diesen gutgemeinten Trost. |
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ER
(fröhlich): |
Nun machen Sie sich keinen Kummer. -
Ich brauche Ihre Handy-Nummer, Ein SMS schreib' ich sodann, Drum bleiben Sie am Handy dran. |
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ICH
(verwundert): |
An welchem Handy soll ich bleiben?
Was wollen Sie mir morgen schreiben? Ich fürchte sehr, das wird nicht gehn, Weil ich ein Handy nie gesehn. |
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ER
(drohend): |
Sie wollen damit doch nicht sagen,
Dass Sie kein Handy bei sich tragen? |
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ICH
(schulterzuckend): |
Herr Doktor, seien Sie doch ehrlich,
Die Dinger sind doch zu gefährlich. |
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ER
(erbost): |
Es soll doch wirklich Menschen geben,
Die heut' noch in der Steinzeit leben. Na gut - darf es 'ne E-Mail sein? Ich lege gern ein Fax auch ein... |
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ICH
(verwirrt): |
Ich äuß're hiermit mein Begehren,
Mich einmal gründlich aufzuklären: Was faxt und imeilt da herum? Mein Herr, ich bin gewiss nicht dumm, Doch Fragen, die Sie jetzt mir stellen, Verwirren meine grauen Zellen. Denn diese Sprache, bitteschön, Die kann ich einfach nicht verstehn. |
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ER
(mit hervorquellenden Augen): |
Sie wollen mir die Ruhe rauben?
Es ist doch einfach nicht zu glauben: Gestehen Sie - was mich sehr quält - Dass Ihnen ein Computer fehlt? |
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ICH
(ängstlich zurückweichend): |
Es fehlt mir keiner, will ich meinen,
Ich hatte ja noch niemals einen. |
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ER
(nimmt eine Pille und tief Luft/ schreit los): |
Jetzt habe ich es klar erkannt:
Sie sind ein Technik-Ignorant. Sowas wie Sie darf's garnicht geben, Sie haben gar kein Recht zu leben! Ich hoffe, es war nur ein Scherz? Sie haben wirklich...? Oh, mein Herz... |
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(Fällt vom Stuhl)
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ICH
(Die Tür aufreißend): |
Ein Arzt! Geschwind, ein Arzt muss her,
Der arme Doktor japst nicht mehr. |
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VORHANG FÄLLT
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Epilog:
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Er hat - so steht am Grab geschrieben -
Den Technik-Fimmel übertrieben. Der "Ignorant", den er behandelt, Gesund noch hier auf Erden wandelt. |
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Impressum, Disclaimer |
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